Dr. rer. nat. F. Herfurth
Heilpraktiker - Vorstandsmitglied im VUH

Kalzium (Ca)

Natürliches Vorkommen:

Milch und Käse

Bedeutung im Stoffwechsel:

zu 99% in Knochen und Zähnen, wichtig für normale Nerven- und Muskelfunktionen sowie Blutgerinnung.

Empfohlene Zufuhr pro Tag:

0,8 - 1,2 g

Tatsächliche Zufuhr pro Tag:

0,3 - 1,5 g (tendenziell zu niedrig)

Kalzium (Ca)

Aufgaben und Funktionen

Nach Magnesium ist Kalzium für die orthomolekulare Medizin der wichtigste Mineralstoff. Kalzium gehört zu den 10 häufigsten Mineralien der Erdrinde. Auch der menschliche Organismus enthält viel Kalzium, nämlich ca. 1 kg. Davon befinden sich 99% in den Knochen (und Zähnen), zusammen vor allem mit Phosphat als Baustein des Skeletts, während sich relativ wenig Kalzium in den Zellen und Körperflüssigkeiten befindet. Trotzdem entfaltet auch hier Kalzium lebenswichtige Funktionen. Es regelt die Erregbarkeit der Nerven und Muskeln und ist von Bedeutung für die Blutgerinnung sowie für die Funktion der im Zellinneren befindlichen Mitochondrien. Der Kalziumstoffwechsel steht zudem in einem engen Zusammenhang und Gleichgewicht mit dem Stoffwechsel von Magnesium und Phosphat. Ein Kalziummangel wirkt sich daher nicht nur in einer Entkalkung des Knochens aus, sondern kann auch zu Muskelkrämpfen, Müdigkeit und Herzrhythmusstörungen führen. Im Gegensatz zu den anderen Mineralien wird Kalzium nicht nur über die Niere, sondern zu einem wesentlichen Teil auch über den Stuhl und den Schweiß ausgeschieden.

Vorkommen In Nahrungsmitteln

Kalziumreiche Lebensmittel sind vor allem Milch und Milchprodukte. Aber auch viele andere Lebensmittel, z.B. Obst und Gemüse, Getreideprodukte, Nüsse, Fisch, enthalten Kalzium.

Bedarf und Bedarfsdeckung

Von allen Mineralstoffen ist der Bedarf von Kalzium am ungenauesten bekannt. Dies liegt daran, daß 99% des Kalziumbestandes im Skelett gebunden sind und daraus auch Kalzium freigesetzt werden kann. Dies macht die Deutung von Bilanzversuchen fragwürdig. Dazu kommt noch, daß Kalzium sowohl über die Niere, den Stuhl als auch über den Schweiß ausgeschieden wird, und die Höhe der Resorption (tatsächliche Aufnahme über den Darm in den Körper) von zahlreichen Faktoren abhängt, z.B. von Vitamin D (fördert Resorption), Art der Kalziumverbindungen, Zitronensäure (fördert Resorption) und Oxalsäure und Phytinsäure, welche die Resorption hemmen.

Als absolut unterste Zufuhrgrenze, bei der gerade noch eine ausgeglichene Bilanz möglich ist, wurden ca. 0,3 - 0,4 g Kalzium/Tag bestimmt. Der Minimalbedarf wird daher meist mit 0,4 - 0,5 g/Tag angegeben (in Deutschland). Die verschiedenen Ernährungsgesellschaften schlagen als wünschenswerte Zufuhr 0,8 - 1,2 g Kalzium/Tag vor. Unsere Vorfahren nahmen täglich ca. 1,5 g Kalzium auf. Der tatsächliche Zufuhrbereich in Deutschland beträgt ca. 0,3 - 1,5 g pro Tag. Dies bedeutet, daß ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung weit weniger Kalzium als der Durchschnitt und damit zu wenig aufnimmt. Viele Menschen nehmen nach einer kürzlich durchgeführten Untersuchung nur ca. 0,5 g Kalzium pro Tag zu sich (Vera-Studie). Die durchschnittliche Zufuhr beträgt in Deutschland nur 0,7 g/Tag

Mangelerscheinungen

Die klassische Kalziummangelkrankheit ist die früher bei Kindern häufige Rachitis. Sie wird verursacht durch einen Mangel an Vitamin D. Dieser Vitaminmangel führt zu einer verminderten Resorption von Kalzium in den Organismus sowie zu einer Störung des Kalziumstoffwechsels. Bei schwerem Kalziummangel kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen, leichtere Mangelerscheinungen führen zu Muskelkrämpfen. (Dies ist bei Ausdauersportlern der Fall, die zuviel Kalzium über den Schweiß verlieren und dieses so ausgeschiedene Kalzium nicht durch eine erhöhte Zufuhr ersetzen.) Die heute mit Abstand wichtigste Kalziummangelerkrankung ist jedoch die Osteoporose (Entkalkung oder Erweichung der Knochen). Vor allem Frauen über 55 Jahren (aber auch Männer!) können davon betroffen werden. Die Entwicklung einer Osteoporose ist in den Anfangsstadien nur schwierig und mit Hilfe der Densimetrie zu erkennen. Dies ist ein beträchtliches Problem, da eine Prophylaxe (Vorsorge) der Osteoporose weitaus einfacher und erfolgversprechender ist als die Behandlung der bereits bestehenden Erkrankung.

Anwendungen

Osteoporose

Das weitaus wichtigste Anwendungsgebiet der Nahrungsergänzung mit Kalzium ist die Prophylaxe und Behandlung der Osteoporose, insbesondere bei Frauen. Bei Frauen kann vor allem, beginnend in den ersten Jahren nach der Menopause, ein Knochenschwund durch Östrogenmangel (weibliches Geschlechtshormon) eintreten. Neben einer Substitution von Östrogenen wirkt sich eine zusätzliche Zufuhr von Kalzium, möglichst verbunden mit einer zusätzlichen Gabe von Vitamin D, vorsorglich günstig aus.

Auch bei bereits bestehender Osteoporose sollte auf die zusätzliche Gabe von Kalzium plus Vitamin D nicht verzichtet werden.

Muskelkrämpfe

Eine weitere Anwendung von Kalzium ist die Verhinderung und Behandlung von Muskelkrämpfen. Vor allem bei Ausdauersportlern, die über den Schweiß relativ viel Kalzium verlieren, können durch die dadurch bedingte erhöhte Ausscheidung Muskelkrämpfe auftreten.

Nebenwirkungen einer zu hohen Zufuhr

Bei Niereninsuffizienz (schwere Störung der Nierenfunktion) kann leicht ein erhöhter Kalziumspiegel im Blut auftreten. Jeder niereninsuffiziente Patient muß daher durch den Arzt den Kalziumwert im Blut genau überwachen lassen. Die frühere Auffassung, daß eine hohe Kalziumzufuhr zu Nierensteinen führen kann, hat sich als falsch erwiesen. Es zeigte sich im Gegenteil, daß eine hohe Kalziumaufnahme die Häufigkeit des Auftretens von Nierensteinen sogar verringert. So wurde in einer Studie festgestellt, daß eine hohe Zufuhr von Kalzium (1,3 g/Tag) das Risiko, Nierensteine zu bekommen, um ca. 50% vermindert im Vergleich zu einer niedrigeren Zufuhr (0,5 g/Tag). Auch die gelegentlich geäußerte Angst vor einem gesteigerten Arterioskleroserisiko durch höhere Kalziumaufnahme ist unbegründet. (Adernverkalkung hat nichts mit zuviel Kalzium zu tun, eher mit zu wenig Magnesium.) Selbstverständlich sollte jedoch eine extrem hohe Zufuhr von Kalzium, vor allem zusammen mit hohen Dosierungen von Vitamin D, vermieden werden.

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